Zunächst die Fotos vom Stadtrundgang unterlegt mit einigen zusätzlichen Erläuterungen, für die während unseres Rundganges keine Zeit war.
- Ein zweiter Abschnitt gilt dem Urlagenser und Kulturförderer Wilhelm Büker
Am Treffpunkt, dem Schützenplatz in Lage konnte Stadtführer Udo Schriegel 32 Teilnehmer bei leicht regnerischem Wetter begrüßen.
Auf dem alten Friedhof der Stadt und heutigem Friedenspark in der Eichenallee lenkte Udo die Blicke insbesondere auf eine zunächst recht unscheinbar daherkommende Stele:
Die Gedenkstele
wurde von der Gesellschaft für Christlich
- Jüdische Zusammenarbeit in Lippe verantwortet
und gemeinsam mit der Stadt Lage im Jahre 2007
errichtet zur Erinnerung an die Bürgerinnen
und Bürger der Stadt Lage, die als Juden unter der
NS-Gesetzgebung verfolgt wurden.
Prof. Axel
Seyler:
(Konzeption,
künstlerischer Entwurf, Organisation und Betreuung
der Maurerarbeiten):
„Die
Stele hat eine Höhe von 4,50 m.
Als Material
wurden 1.500 Ziegel in zwölf verschiedenen Formen und Größen
verwendet, die einzeln im Ziegeleimuseum Lage hergestellt und in
Oldenburg i. O. gebrannt wurden.
Sie erinnern an die Bedeutung des Zieglerwesens in der Geschichte
Lages und an den Ziegelbau der Juden in Palästina, Ägypten und
Mesopotamien.
Die Stele
bildet im Ganzen einen Quader.
Dieser
ist vierfach verformt:
Er steht
schräg - als ob er fortschreitet.
Er
wächst nach oben und nimmt in seinem Umfang zu.
Er
dreht sich zur Spirale.
Er birgt in
sich eine Zahlensymbolik:
Im Fußteil
herrscht die Zahl Vier, Symbol der Erdverbundenheit.
Der
Mittelteil wächst ins Plastische, Körperhafte, Konvexe.
Im
oberen Mittelteil ist ganz leicht ein Fünfeck eingebaut.
Der
Kopfteil steigert sich langsam in vegetativer Drehbewegung zur
ausgeprägten Zahl Sechs, zum Davidstern, der aus allem allmählich
erwächst.“
Unser weiterer Weg führte uns direkt zum Gefängnis, nein, nicht hinein, nur bis davor.
Spritzenhaus, Knast, Wohnhaus oder
Vereinshaus - alles war oder ist im kleinsten Fachwerkhaus von Lage. Damals war eben schon "Nachhaltigkeit" nicht nur Thema, sie wurde auch gelebt.
Die Rathaustreppe nutzte Udo, um Ungereimtheiten mit dem Lagenser Wappen zu demonstrieren.
Wie ist man in Lage darauf gekommen,
ein Pflugeisen als Wappenfigur zu wählen? Da weder eine Verbindung
zum Ortsnamen noch zu einer wappengebenden Familie nachzuweisen war,
bleibt nur die Erklärung, dass man das Ackergerät auserkor, weil es
für die Ackerbürger des Ortes, in dem Handwerk und Handel sich
nicht organisieren durften, von einer wahrhaft symbolischen Bedeutung
war. Der Betrieb der Landwirtschaft war schicksalhafte und
grundlegende Tätigkeit in einem Orte, dessen Entwicklung durch
Konkurrenzneid und Missgunst der umliegenden Städte gehemmt wurde.
So ranken sich Gefühle des Trotzes und des Stolzes um dieses
Wappensymbol, Not, Entbehrung und harte Arbeit sind seine ständigen
Begleiter gewesen bis in die Gegenwart hinein."
Älteste Grundlage ist der
Siegelstempel mit der Jahreszahl 1636 in der Umschrift; er zeigt im
Schild ein nach links gewendetes Pflugeisen. "Rechts" und
"links" werden heraldisch vom Träger des Schildes aus
bezeichnet, also umgekehrt wie es der Beschauer von vorn sieht. Die
Farben sind hierzu nicht überliefert.
(Auszüge aus: August Wilhelm
Peter - "Pflug im Wappen: Lage in Lippe; - Kirchdorf - Weichbild
- Stadt; eine siedlungskundliche Untersuchung", 2. erw. Auflage,
Jacobs 1999, erschienen im Verlag Hans Jacobs, Lage)
Im Geländer der Treppe des Historischen
Rathauses am Marktplatz von 1956 ist der Pflug
nach links
gewendet. Der Pflug im Wappenstein des
Rathausturmes ist
nach rechts gewendet und mit einem Balken versehen.
Darunter befindet sich das Motto „Vorwärts“. Über den Grund der
Rechtswendung ist nichts Überprüfbares bekannt. Es wurde wohl von
den Auftraggebern so gewünscht. Vermutlich hängt es damit zusammen,
dass die Bewegung „Vorwärts“ in der Heraldik mit der Richtung
nach rechts, aus der Sicht eines potentiellen Schildträgers,
ausgedrückt wird.
Vorbild war das 1954 auf Antrag der Stadt neu
verliehene Siegel, bei dem man sich bewusst auf die älteste
nachweisbare Form berief.
Dieses Siegel ziert auch die Rückseite einer von der damaligen Stadtsparkasse Lage zum 125 jährigen Stadtjubiläum in 1968 herausgegebenen Goldmedaille.
Auch die WEB-Kamera des Marktplatzes war natürlich Thema.Elmar hatte den Gedanken, Fotos von den Kameraaufnahmen während unserer Anwesenheit zu machen. Dafür herzlichen Dank. Wer findet sich darauf wieder?
Unser Weg führte um die oben bereits in Teilen abgebildete Marktkirche.
Auf der Vorderseite der oben schon gezeigten Goldmedaille zeigt sich die Situation der Kirche in Verbindung zum Marktplatz völlig anders.
Etwa bis um 1900 war die "Kirchklappe" Zugang zum Oval des Kirchhofes, der ehemals auch Friedhof war. Über dem rundbogigen Durchgang hat sich bis 1803 auch die Schule befunden, obwohl das Gebäude bereits in 1615 als baufällig bezeichnet wurde. An der Stelle des hier gezeigten rechten Magistratshauses wurde das heute noch bestehende Kaufhaus errichtet. Erst nachdem die beiden linken Häuser abgerissen worden waren, kam die Marktkirche viel stärker zur Geltung.
Abschließend war die Sparkassenfiliale noch Ziel unseres Weges:
An ihrem Platz stand schon ein Gebäude der 1860 gegründeten Stadtsparkasse Lage, die bis 1954 im jetztigen alten Rathaus untergebracht war.
Der beträchtlichen Ausweitung des Geschäftsverkehrs Rechnung tragend, erfolgten mehrere Umbauten
Nach der Bildung der Zweckverbandssparkasse Detmold in 1977 wurde hinter dem bis dahin entstandenen Gebäude eine neue Kassenhalle mit Tiefgarage errichtet.An diesem Punkt kommen wir zu Wilhelm Büker, der Urlagenser ist und unter anderem mit seiner künstlerischen Ader eine Menge für seine Heimatstadt geleistet hat:
Vor dem Sparkassen-Gebäude hat "Die
Große Sitzende" Platz genommen.
Sie
stammt von dem bedeutenden Bildhauer Georg Kolbe und hat seit über 30
Jahren ihren Platz vor der Lagenser Sparkasse in der Gerichtsstraße.
Sparkassendirektor a.D. Wilhelm Büker hatte die Plastik seinerzeit
für den Standort in Lage ausgewählt – auf eine Ausschreibung
hatten die Sparkassengremien verzichtet; sie wollten selbst
entscheiden, was für eine Arbeit künftig ihren Eingang zieren
würde. Wilhelm Büker hat die zwei Zentner schwere Plastik
überdies selbst aus Berlin abgeholt, wo der Abguss gefertigt worden
war, und in seinem Opel Manta nach Lage kutschiert.
Erschaffen
wurde diese im Original von dem Künstler Georg Kolbe (1877 bis 1947)
im Jahr 1929. Er gilt als einer der erfolgreichsten deutschen
Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Wände der Tiefgarage, zieren nach ihrem Bau
durch einen von Wilhelm Büker geleiteten VHS-Kurs ringsum Gemälde u.a. nach dem Kinderbuch "Momo" von Michael Ende.
Sonst übliche Schmierereien sind bisher verbleiben.
Eine Allee für den Lagenser Bürgerpark
titelte die LZ am 16.11.2020 und schrieb:
Der im Bau befindliche Bürgerpark in der
Eichenallee bekommt zwölf Bäume, die alle schon eine gewisse Größe
haben. Gespendet hat sie Wilhelm Büker aus Anlass seines 95.
Geburtstages und der Geburt eines Urenkels, wie die Stadt mitteilt.
„Ich möchte, dass die Welt grün bleibt“, begründet
Wilhelm Bükers die Auswahl seiner Spende. Der alteingesessene und seit
vielen Jahrzehnten für die Sibylle-Dotti-Stiftung ehrenamtlich
engagierte Lagenser hatte sich an die Stadt gewandt mit der Bitte, einen
Platz für mehrere Bäumen zu finden. Beigeordneter Thorsten Paulussen
machte den Vorschlag, die Bäume für den Bürgerpark vorzusehen.
Dieser Vorschlag habe die ungeteilte Zustimmung des
Spenders gefunden, hebt die Stadt hervor. Gemeinsam mit Thorsten
Paulussen suchte Wilhelm Büker die schon „ansprechend gewachsenen“ Bäume
aus. Den Promenadenweg des entstehenden Freizeitgeländes an der
Eichenallee ziert nun eine Allee mit drei Ahornbäumen, drei Sumpfeichen,
drei Roteichen und drei Amberbäumen.
Frank Schröder und Maximilian Kietz von der Firma
Gartenbau Schröder hatten fachlich beraten und die symbolischen
Pflanzung eines Baumes durch den Spender auf dem Baugelände vorbereitet.
Wilhelm Büker berichtete, dass er sich sehr über diesen Standort auf
dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes freue. Er verbinde damit viele
Erinnerungen an seine sportlichen Betätigungen in jungen Jahren auf dem
Sportgelände beim Handball und dem Sportabzeichen. Die Bauarbeiten für
den Bürgerpark und auch das Wachsen der Bäume werde er jetzt regelmäßig
verfolgen.
Bürgermeister Matthias Kalkreuter bedankte sich bei
Wilhelm Büker. „Ich glaube, wir haben mit dem Bürgerpark Eichenallee
einen würdigen Platz gefunden.“

Die Sibylle-Dotti
Stiftung
war ihm ein weiteres wichtiges Anliegen:
Sibylle
Dotti war eine engagierte Kunstpädagogin, Malerin und Grafikerin.
Geboren wurde sie 1913 in Berlin-Schöneberg und fand nach den Wirren
des Zweiten Weltkrieges 1945 in Lage eine neue Heimat und Ihren
Wirkungskreis.
Bis 1948 war sie freischaffend tätig, wurde
Mitglied des Lippischen Künstlerbundes und Mitbegründerin der
Gruppe „Junger Westen”. Kunsterzieherin am Stadtgymnasium in
Detmold war sie von 1948 bis 1978.
Als
Rentnerin reifte der Gedanke, für die Stadt Lage eine Galerie zu
schaffen, die 1988 mit der Errichtung der Lagenser Kunst- Stiftung
Sibylle Dotti Wirklichkeit wurde. Sibylle Dotti stattete ihre
Stiftung mit Kapital und 39 eigenen Werken aus. Ihr Leben für und
mit der Kunst endete am 17. Dezember 2003 im Alter von 90 Jahren.
Initiatoren
dieser Stiftung und Vorstandsmitglieder waren Wilhelm Büker und
Karin Schmidt, sowie inzwischen auch Heinrich Schmidtpott.
Erst
im vorigen Jahr ist Wilhelm Büker aus dem Vorstand der Stiftung auf
eigenen Wunsch ausgeschieden.
...so nannten die Lagenser Studenten ihr Technikum. Damit spielten sie auf
die großen Kohlehaufen an, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Hof der
Ingenieurschule für den Betrieb einer Lokomobile lagen. Und sie ehrten
mit diesem Spitznamen Wilhelm Quest, der das Technikum viele Jahre lang
als Familienbetrieb führte.
Das
Technikum wurde in den Jahren 1924 bis 1926 als private
Ingenieurschule erbaut.
In den folgenden Jahren kamen viele
Studenten nach Lage, um hier ihre Ingenieursausbildung
abzuschließen.
Mit der Gründung staatlicher Fachhochschulen ging
ab 1971 die Zeit privater Schulträgerschaften zu Ende. Es erfolgte
die Eingliederung in die Fachhochschule Lippe, doch 1981 wurde der
Lehrbetrieb in Lage ganz eingestellt.
Das Gebäude wurde 1988 unter
Denkmalschutz gestellt und 1993 von der Stadt Lage erworben, umgebaut
und restauriert. Hier fanden die Musikschule, die Volkshochschule
und die Lagenser Kunst-Stiftung Sibylle Dotti 1995 ihre neue
Wirkungsstätte.
Es ist ein städtisches Kulturzentrum für
Lage entstanden, das auch zu Kooperation der verschiedenen
Einrichtungen einlädt. Bei dessen Verwirklichung hat Wilhelm Büker
kräftig mitgewirkt.
Wasserspiel
auf dem Clara Ernst Platz
Mit
dem von Wilhelm Büker initiierten und teilweise in einem von ihm
begleiteten Kurs der Künstlergruppe "Kontaktkunst"
mitgeschaffenen Wasserspiel war
Kunst ein Gemeinschaftswerk, nicht elitäre Arbeit eines Einzelnen.
Hier wurde Kunst demokratisiert. Die Bürger waren dabei. Sie haben
mitgestaltet und einen Weg zu ihrem Bürgerhaus geschaffen.
Mit
dem be-geh-baren Weg verband die Künstlergruppe die Idee, Handel und
Kultur (Fußgängerzone und Bürgerhaus) zu verbinden. Die
Beteiligung der Bürger an dem Kunstwerk schlägt sich in Form der
Bürgersteine, insgesamt 22, nieder. Leider sind ein paar der Steine
inzwischen durch Asphaltflecken ersetzt.
Clara Ernst
hier in einer Büste von Wilhelm Nümann
Wilhelm
Nümann
betrieb
ein Einrichtungshaus in Lage und war Freizeitkünstler. In dieser
Eigenschaft hat er diese Büste der stadtbekannten Malerin Clara Ernst
geschaffen.
2007 ist der passionierte
Kunstschaffende gestorben – in 2012 hat die Lagenser Kunst-Stiftung
Sibylle Dotti seinen künstlerischen Nachlass übernommen, allen
zugänglich gemacht - und einen Einblick in Nümanns Arbeitsumfeld
gewährt. "Nümanns Atelier" hatten die
Initiatoren -unter anderem auch Wilhelm Büker- in den früheren Räumen des "Postillon" an der
Langen Straße nachgestellt. Dort gab es einen Einblick in Nümanns
Werk. Und wer wollte, konnte sich gegen eine Spende von 50 Euro an
die Dotti-Stiftung seine Lieblings-Arbeit mitnehmen. Denn das
wünschten sich die Initiatoren: Wilhelm Nümann soll in den Herzen
und an den Wänden der Menschen weiterleben.

Clara
Ernst wuchs in Lage auf. Ihr Vater arbeitete
zeitweise als Dozent am Technikum und wurde später Geschäftsführer
des „Zentralverbands deutscher Ziegelmeister". Die Mutter
Charlotte entstammte der in Lage ansässigen Familie Tempel. Familie
Tempel hatte verwandtschaftliche Beziehungen zu den Familien
Grotebrune, den Inhabern der Färberei und späteren chemischen
Reinigung Kotzenberg, und Henning, den Betreibern des Cafés „Süße
Ecke".
Ihre
Liebe zur Malerei entdeckte sie schon als Kind. Ihre ersten Versuche
machte sie nach eigenen Erzählungen auf Innenseiten von
Verpackungskartons, aber ihre Lehrerinnen warnten sie vor „dieser
brotlosen Kunst".
So musste sie zunächst von der „Stütze" leben, bis sie
eine Bürotätigkeit in der Futtermittelfabrik Nagel und Huth (Nagut)
aufnahm. Ab 1935 widmete sie sich ganz der Kunst. Die inzwischen
28-Jährige nahm für drei Jahre Unterricht bei dem Tier- und
Landschaftsmaler Paul Kottenkamp in Bielefeld. Kottenkamp gab ihr
zeitlebens praktische Ratschläge und hielt sich auch mit Kritik
nicht zurück.
Vermutlich war es auch Kottenkamp, der Clara Ernst auf die Idee
brachte, 1937 nach Düsseldorf zu gehen, um dort an der von dem Maler
Hans Carp 1918 gegründeten privaten Kunstschule für Malerei und
Grafik Unterricht nehmen zu können. Bereits seit 1940 war sie in
zahlreichen Ausstellungen vertreten. In der Regel wurden zwei bis
drei der von ihr eingesandten Bilder gezeigt und auch einige bei
diesen Ausstellungen verkauft.
Bei den Motiven handelte es sich um Landschaften, Städte sowie
Höfe und Fachwerkhäuser. Nach dem Krieg zeichnete sie auch Bilder
zu Flüchtlingsfrauen. Die Armut dieser Familien scheint sie bewegt
zu haben. Dass Clara Ernst eine herzensgute Frau war, die anderen
auch mit materiellen Gütern half, zeigte sich damals in den gemalten
Danksagungen für gespendete Gaben. Motive des ländlichen Lippe
prägen ihr Werk. Materielle Reichtümer hat sie durch ihr Schaffen
nie erworben.

Als Beispiel hier ein Fachwerkhaus in Hiddesen, von ihr gemalt in 1952.